Das Buch des Prediger Salomo

Hier finden Sie das Buch, genauer gesagt, die Übersetzung, die Maik Fleck, Pfarrer der ev.ref. Kirchengemeinde Detmold-West, erstellt. Sie wird fortlaufend hier veröffentlicht – jeweils zwei Wochen bevor der Textabschnitt auf einer Kanzel in Lippes Südosten gepredigt wird. Es ist sicher gut, wenn Sie andere Übersetzungen daneben legen. Sie werden Unterschiede bemerken und damit auf die Fragen kommen, die wichtig sind, wenn man den Prediger Salomo liest.


Die Übersetzung, die hier angeboten wird, geht von der Voraussetzung aus, dass der Prediger Salomo ein Buch ist, das man fortlaufend lesen kann. Natürlich – Lesende können auch vorblättern oder zurück. Aber meistens lesen sie einfach von vorne nach hinten. Lesende nehmen Informationen auf und beim Weiterlesen vergleichen sie, neue Aspekte kommen mit neuen Worten hinzu. So ist das Buch am Anfang die große Unbekannte, die sich langsam erschließt. So wird man am Anfang die Worte nicht verstehen. Sie sind Rätsel, das neugierig macht. Die unbekannten Worte werden sich erschließen – dafür ist das Buch da.

Diesen Weg nachvollziehen, darauf legt die Übersetzung hier Wert. Sie hat Werkstattcharakter, ist nicht glatt und versucht Unverständliches nicht zu glätten. Sie verzichtet auf gliedernde Überschriften und gibt allenfalls in Fußnoten Hinweise auf Besonderheiten im Text.

 

 

Sonntag, 22. Juni 2014

Prediger Salomo 1,12-18 Buchstellen Juni

1,12: Ich, der „die Versammlerin“ genannt wird, bin1 ein König über Israel in Jerusalem.
1,13: Und ich habe mein Herz2 genommen, um zu erkunden und zu erweisen durch Weisheit all das, was unter dem Himmel getan wird. Eine böse Mühsal hat der Gott den Adamskindern gegeben, um sich zu mühen durch sie.
1,14: Ich beobachtete alle Taten, die getan werden unter der Sonne.
Und siehe: Das Alles ist Luftgespinst und Bewahren von Wind.
1,15: Was gekrümmt wurde, nicht kann es gerade werden
und ein Mangel, nicht kann er gezählt werden.3
1,16: Ich besprach, ich mit meinem Herzen: „Ich, siehe, ich mache groß und sammle Weisheit mehr als jeder, der vor mir über Jerusalem gewesen ist. Und mein Herz beobachtete die Menge von Weisheit und Kenntnis.
1,17: Und ich nahm mein Herz, um Weisheit zu erkennen und Kenntnis von Torheit und Narrheit.
Und ich erkannte, dass auch dieses böse Mühsal ist.
1,18: Denn: durch viel Weisheit viel Unmut;
und wer Kenntnis sammelt, sammelt Schmerz.

1 Das Verb kann hier als Vergangenheit oder Gegenwart verstanden werden. Da ich davon ausgehe, dass hier ein Abschnitt beginnt, den man als Rollenspiel auffassen kann, übersetze ich gegenwärtig, nicht historisierend.

2 Das Herz ist für den hebräischen Menschen der Sitz des Verstandes, also weniger der Emotionen. Die werden z.B. in den Nieren oder den Eingeweiden verortet.

3 Der Kursivdruck deutet an, dass hier ein Refrain vorliegt, den der Prediger immer wieder wiederholt im 1. Teil des Buches – bis 6,12. Wie jeder Refrain muss er nicht unbedingt als direkte Äußerung zum Vorhergehenden verstanden werden.

 

 

Sonntag, 15. Juni 2014

Prediger Salomo 1,1-11 Buchstellen Juni

1,1: Die Aussprüche dessen, der „die Versammlerin“ genannt wird, des Davidssohnes, König in Jerusalem1
1,2: Luftgespinst der Luftgespinste, sprach der, der „die Versammlerin“ genannt wird, ja Luftgespinst der Luftgespinste – das Ganze ein Luftgespinst.2
1,3: Was ist Gewinn für einen Menschen bei all seiner Mühe, die er bemüht unter der Sonne?3
1,44: Eine Generation geht, eine Generation kommt und die Erde, auf ewig steht sie.
1,5: Und sie sprosst auf, die Sonne, und sie kommt an, die Sonne – und zu ihrem Ort gelangt sie immer, aufgehend ist sie dort.
1,6: Immer wieder geht, Richtung Norden, immer wieder wendet um, nach Süden, immer wieder wendet um, wendet um, geht – der Wind. Auf seinen Umwindungen kehrt immer wieder um - der Wind.
1,7: All die Bäche – immer wieder gehen sie ins Meer. Und das Meer – für das gibt es nicht, voll zu werden. Zum Ort, zu dem die Bäche immer wieder gehen – dort kehren sie um, um zu gehen.
1,8: All die Aussprüche ermüden. Kein Mann vermag aus-zu-sprechen. Nicht wird es satt – ein Auge – um zu sehen. Nicht wird es voll – ein Ohr – vom Hören.
1,9: Das, was war, das ist es, was sein wird. Und das, was man tat, das ist es, was getan werden wird. Und nicht gibt es all das Neue unter der Sonne.
1,10: Es gibt einen Ausspruch, der besagt: „Schau dir dies an, neu ist es!“ Nur – es gibt es seit Ewigkeiten, die es vor uns gab.
1,11: Es gibt kein Gedächtnis für die Ersten. Und auch für die Anderen, die da sein werden – nicht wird ein Gedächtnis für sie da sein mit denen, die da sein werden – für das Andere.

1 Der Titel des Buches nennt den Namen des Verfassers „Kohelet“. Das ist im Hebräischen ein Partizip Femininum Singular des Verbs „Versammeln“.

2 Ein Motto oder ein Refrain wird vorangestellt. Was er bedeutet, wird sich erst im Laufe des Buches klären, oder auch nicht.

3 Eine Ausgangsfrage, die vielleicht rhetorisch ist, vielleicht aber auch ernst. Hier jedenfalls ist noch alles offen.

4 1,4-1,11 haben eine bestimmte Form. Es ist ein Gedicht, was die Übersetzung kaum nachempfinden kann, zumal sich im Hebräischen Gedichte nicht reimen, sondern einfach Sprachrhythmen folgen. Diese Sprachrhythmen habe ich versucht beizubehalten.

Ein wichtiges Element in diesem Gedicht ist der Partizipialstil. Mit diesem Stil kann im Hebräischen etwas Dauerhaftes oder immer wieder Wiederholendes aufgedrückt werden. In hymnischen Texten ist der Partizipialstil eine Möglichkeit, die Erhabenheit z.B. Gottes auszudrücken.